


Der Abbau von Rohstoffen hat extreme Folgen für die Landschaft, wie sie sonst nur durch große Naturkatastrophen auftreten. Boden und Gestein werden umgelagert, hydrologische Verhältnisse und chemische Bedingungen können sich grundlegend ändern. Es entstehen Flächen, die zunächst fast kein Leben enthalten. Diese Räume werden nach Beendigung des Abbaus wieder besiedelt. Die entstehenden Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren durchlaufen Entwicklungsprozesse, die zusammenfassend als Sukzession bezeichnet werden. Sukzessionen sind aus wissenschaftlicher Sicht interessant, da sie Aufschluss über das Zusammenspiel von Lebewesen, Umwelt und zufälligen Ereignissen geben. Die ökologischen Ausgangsbedingungen sind für Land- und Forstwirtschaft, Erholung und Naturschutz wichtig, da sie deren Gestaltungsspielräume bestimmen.
Das SUBICON-Projekt hat am Beispiel von Braunkohletagebauen Sukzessionsvorgänge untersucht und im partizipativen Prozess einer Landschaftswerkstatt Optionen für eine nachhaltige Entwicklung erarbeitet.
Die Besiedlung durch schalentragende (thekate) Amöben und durch bodenbewohnende Gliederfüßer erfolgt schnell, während Tiergruppen mit geringerer Ausbreitungsfähigkeit wesentlich länger benötigen. Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen der Vegetationsentwicklung und der Besiedlung durch Bodenorganismen. Die Zahl der Arten von Mykorrhizapilzen hängt von der Zeit seit Beendigung des Abbaus ab. Das Alter der Gehölze ist dagegen nicht entscheidend.
Bei den Pflanzen hängt die Zusammensetzung der Artengemeinschaften von der Vegetation des Umlands ab, die als Quelle für sich ausbreitende Samen dient. Eigenschaften des Bodens auf der Fläche haben kaum Einfluss auf die Entwicklung der Pflanzendecke. Es gab keinerlei Hinweise auf eine bestimmte, vorhersagbare Entwicklungsrichtung bei den untersuchten Gruppen. Lediglich bei den Mykorrhizapilzen (Ektomykorrhiza) ist eine gleichlaufende Entwicklung auf verschiedenen Flächen in Ansätzen erkennbar. In den anderen Gruppen besteht eine hohe Variablität zwischen den untersuchten Flächen sowohl im Hinblick auf Artenzahlen als auch auf die Artenzusammensetzung. Es vergehen mindestens 40 Jahre bis Artengemeinschaften entstehen, die denen auf vergleichbaren Standorten außerhalb der Tagebaue entsprechen.
Die Artenvielfalt hängt wesentlich davon ab, wie verschieden die Lebensräume in einem Gebiet sind. Für den Erhalt dieser Vielfalt ist es wünschenswert, verschiedene Sukzessionsstadien in einem sich dynamisch ändernden Gesamtsystem zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, können bestimmte Schlüsselarten wichtig sein. Weidetiere wie Heckrinder, Wasserbüffel und Pferde können durch ihren Einfluss auf die Vegetation eine solche Rolle spielen, und es kann sinnvoll sein, sie für die Landschaftspflege in ehemalige Tagebaue einzuführen.
Angesichts devastierter Bergbaufolgeflächen muss die Landschaftsplanung eine Entscheidung treffen: Soll die natürliche Sukzession dieser großflächigen, unzerschnittenen und nährstoffarmen Flächen Vorrang haben oder soll Biodiversität weiterhin durch behutsame Nutzung erhalten und gefördert werden?
Im ersten Fall liegt der Schwerpunkt auf einer Nutzung möglichst großer Flächenanteile durch den Naturschutz. Synergien ergeben sich lediglich mit einem naturnahen Tourismus, die anderen Nutzungen werden ausgeblendet. Dieser Ansatz geht davon aus, dass die naturschutzfachlichen Ziele, die sich auf den geschützten Flächen realisieren lassen, weitaus höher rangieren als Effekte einer integrierten Entwicklung aller in der Bergbaufolgelandschaft etablierten Nutzungen im größeren Raumbezug. Partizipation dient hier in erster Linie der Akzeptanzförderung,die Trennung zwischen Schutz und Nutzung in der
Landschaft wird jedoch weiter vorangetrieben.
Im zweiten Fall bleibt die Ausdifferenzierung der Bergbaufolgelandschaft in verschiedenen Landnutzungsformen zwar bestehen, Biodiversität wird jedoch eher als eine Gemeinschaftsaufgabe und als regionales Entwicklungsziel anerkannt. Diese Aufgabe ist erheblich anspruchvoller. Hier sind Kompromisse notwendig, die der Intensivierung der einzelnen Landnutzungen (Forstund Landwirtschaft, Naturschutz, Naherholung und Tourismus) Grenzen setzen. Partizipation dient hier vor allem dem Ausgleich von Interessen. Den Landschaftswandel gemeinsam kommunizieren Die regionalen Akteure agieren in ihrer landschaftlichen Praxis in einem Spannungsfeld zwischen uneingeschränkter Hoheit über die Flächen einerseits sowie regionale Entwicklungsziele andererseits.
Die Landschaftswerkstatt im Rahmen des Forschungsverbundes SUBICON bildet einen Versuch, zwischen beiden Alternativen zu vermitteln und so die Chancen für eine integrierte Entwicklung der Bergbaufolgelandschaft offen zu halten. Im Dialog mit Land- und Forstwirtschaft, Kommunalpolitik, Naturschutz, und Akteuren aus dem Tourismus ließen sich so die Spielräume für Biodiversität als regionales Entwicklungsziel ermitteln. Zum Abschluss entsteht eine öffentlich abgestimmte Agenda der Kulturlandschaftsentwicklung, in der die biologische Vielfalt erkennbar verankert ist. Das Konzept „Kulturlandschaft“ kann dabei wichtige Impulse bei Planungs und Umsetzungsvorhaben auf regionaler Skala bieten. Durch die Einbindung der Akteure könnte auch ein großflächiger Landnutzungswandel akzeptiert werden
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Prof. Dr. Gerhard Wiegleb
Dipl.-Ing. Gunnar Jenet
BTU Cottbus
Tel.: +49 355 69 2764
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