


Aus den Forschungsergebnissen von BIOLOG lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen ableiten. Diese können bei der Formulierung von Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt als Leitlinie dienen und so zur Umsetzung von nationalen und internationalen Biodiversitätsstrategien beitragen.
Biodiversität bedeutet mehr als Artenzahlen. Verschiedene Pflanzen- und Tiergruppen zeigen ganz unterschiedliche Biodiversitätsmuster und -trends. Ein Monitoring biologischer Vielfalt muss deshalb über einzelne Leitarten hinausgehen. Die Erfassung von Lebensräumen und Landschaftsstrukturen in der Kombination mit möglichst detailliertem Monitoring auf Artebene bietet derzeit den besten Ansatz, um ein adäquates Bild des Zustandes der biologischen Vielfalt zu bekommen. Die genetische und funktionelle Ebene biologischer Vielfalt lässt sich zunehmend erfassen und kann wertvolle Zusatzinformationen liefern.
(BIOPLEX,DIVA)
Landschaftsstruktur und Landbewirtschaftung sind entscheidend für biologische Vielfalt. In Kulturlandschaften sollten deshalb der Anteil und die Anordnung naturnaher und extensiv bewirtschafteter Habitate regelmäßig erfasst werden. Wiesen und Weiden sind selbst Teil der Biodiversität. Artenvielfalt und die funktionelle Vielfalt der Lebensgemeinschaften werden durch sie beeinflusst. Die Zusammenhänge zwischen Biodiversität und Ökosystemfunktionen wie biologische Interaktionen, Stoff- und Energieflüsse oder kulturelle Funktionen sollten durch Monitoringprogramme ebenfalls erfasst werden. Die Struktur und Vollständigkeit von Nahrungsnetzen in Blütenköpfen kann zum Beispiel als Indikator für die funktionelle Vielfalt in Ökosystemen der Kulturlandschaft dienen.
(DIVA)
Um biologische Vielfalt zu schützen und nachhaltig zu nutzen, müssen alle verfügbaren Informationsquellen über den Zustand der Biodiversität effizient nutzbar gemacht werden. Dies kann durch eine bessere Abstimmung und Standardisierung der Methoden erreicht werden, bei der Erfassung im Freiland genauso wie bei der Datenspeicherung und -auswertung. Um Standards verbindlich festzulegen, bedarf es der Kooperation von Forschungseinrichtungen, Behörden, Verbänden und privater Wirtschaft.
Um Informationen über die biologische Vielfalt für gesellschaftliche Entscheidungen nutzen zu können, muss zunächst ein Konsens über anzuwendende Bewertungskriterien erzielt werden. Das Konzept der ökosystemaren Dienstleistungen spielt dabei eine Schlüsselrolle. Es sollte im gesellschaftlichen Diskurs und in der Umweltplanung weiter etabliert werden. Das fortschreitend bessere Verständnis komplexer Regelprozesse in Ökosystemen wird es ermöglichen, diese Leistungen genauer zu quantifizieren und in Geldeinheiten auszudrücken. Weiterhin ist es wichtig, Bewertungskriterien für Aspekte wie kulturelle Funktionen zu entwickeln, die sich nur schwer monetarisieren lassen.
(DIVA)
Wenn extensiv genutzte Strukturen und Schutzflächen mit unterschiedlichen Standortbedingungen mehr als 20 Prozent der Kulturlandschaft einnehmen, sind signifikante Zunahmen zum Beispiel von Bestäubungsleistungen und biologischer Schädlingsbekämpfung zu verzeichnen. Dabei ist die räumliche Anordnung der Flächen wichtig.
Maßnahmen zur Förderung biologischer Vielfalt sollen ergebnisorientiert
sein. Das heißt, dass nicht die Durchführung
von Maßnahmen gefördert wird, sondern der ökologische
Erfolg als Basis für die Bewertung dient. Bei der
Förderung, etwa von Extensivierungsmaßnahmen, kommt
es also darauf an, ob sich eine Fläche tatsächlich den definierten
Zielwerten für die Artenzusammensetzung oder
ökosystemare Dienstleistungen nähert. Die Zielwerte müssen
für Regionen und Lebensraumtypen spezifisch festgelegt
werden.
(BIOPLEX)
Ausschreibungen mittels Auktionsverfahren für Landwirte
sind ein marktorientierter und kosteneffizienter Ansatz zur
Vergabe von Agrarumweltmaßnahmen.
(BIOPLEX)
Gemeinschaften mit einer hohen Artenvielfalt erfüllen in
der Regel auch vielfältige Funktionen. Steigende Artenvielfalt
kann zum Beispiel im Grünland zu höherer Produktivität
und Stabilität führen. Diese Eigenschaften lassen sich durch
gezieltes Management fördern, etwa durch einen geringeren
Dünger- und Pestizideinsatz oder die Steuerung von
Mahdterminen und Beweidungsintensität.
(DIVA)
Aufgrund der potenziell negativen Auswirkungen invasiver
Arten auf Ökosysteme sollte deren Ausbringung in der freien
Landschaft konsequent verhindert werden.
(INVASION)
Maßnahmen des Natur- und Artenschutzes sollten durch die
Einrichtung von Saatgut-Genbanken unterstützt werden,
um Hybridisierung und Introgression einzudämmen.
(INVASION)
Durch eine verbesserte Reinigung von Futtermitteln, insbesondere Vogelfutter, kann die weitere Ausbreitung der gesundheitsgefährdenden Ambrosie zumindest verzögert werden.
Öffentliche Bewusstseinsbildung ist eine entscheidende Vorraussetzung für einen sachgerechten Umgang mit Neophyten und biologischen Veränderungen. Lehrer(innen) sind als Multiplikator(inn)en eine wichtige Zielgruppe.
Um die Erhaltung biologischer Vielfalt als gesellschaftliches Ziel
erfolgreich zu verankern, müssen die Betroffenen angemessen
beteiligt werden. Dafür können neue, breit aufgestellte Gremien
zur Bewertung von Ökosystemen und zur Steuerung von
Förderprogrammen einen effektiven Beitrag leisten. Es ist eine
öffentlich abgestimmte Agenda der Landschaftsentwicklung
anzustreben, die die Erhaltung der Biodiversität erkennbar berücksichtigt.
(BIOPLEX,SUBICON)
