


Landwirtschaft, das ist für viele die Produktion von Lebensmitteln, Viehzucht oder der Anbau von Energiepflanzen. Die Anforderungen an die Agrarflächen sind aber viel umfassender. Die Frage, wie nachhaltig die Äcker, Wiesen und Weiden bewirtschaftet werden, rückt immer stärker in den Mittelpunkt:
Für die Gesellschaft geht es dabei um gesundes Grundwasser, saubere Flüsse und Seen, von Pestiziden wenig oder unbelastende Nahrungsmittel, lebenswerte, strukturreiche Landschaften und nicht zuletzt um den Schutz der heimischen Pflanzen und Tiere. Zu den ökologischen Leistungen der Landwirtschaft gehört die Sicherung des Artenreichtums der Agrarlandschaft und ihrer ökosystemaren Dienstleistungen.
Der Forschungsverbund BIOPLEX hat die biologische Vielfalt und ihre Funktionen in Äckern und Grünland umfassend untersucht und einen neuen Ansatz entwickelt, wie sich die ökologischen Leistungen der Landwirtschaft honorieren lassen.
Die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen auf Agrarflächen hängt von unterschiedlichen lokalen Bedingungen ab: Mit welchem Bodentyp haben wir es zu tun? Wie feucht ist der Standort? Können Pflanzensamen aus der Umgebung die Weide erreichen? Die Bewirtschaftungsweise spielt eine besonders große Rolle: Wie oft wird die Wiese gemäht? Wie viel Mineraldünger bringt der Landwirt aufs Feld? Gibt es Hecken und Randstreifen, die Äcker und Wiesen umsäumen?
Der Forschungsverbund hat belegt, dass sich naturnahe Flächen wie Weg-und Feldraine, Gehölze oder Kleingewässer positiv auf die Artenvielfalt von Wildpflanzen und -tieren auswirken. Wichtige ökosystemare Prozesse wie Räuber-Beute-Beziehungen, Bestäubung oder die Zersetzung organischer Substanz hängen mit der Vielfalt der Arten zusammen. Einzelmaßnahmen reichen für eine Verbesserung oft nicht aus: Denn was bei der einen Pflanzengruppe die Artenvielfalt erhöht, zeigt bei anderen Gruppen keinerlei Wirkung. Eine hohe Diversität von Pflanzenarten bedeutet zudem nicht automatisch, dass auch Tiergruppen, zum Beispiel Spinnen, dort ebenfalls hohe Artenzahlen aufweisen.
Ökologischer Landbau leistet einen großen Beitrag zur Artenvielfalt. Konventionell bewirtschaftete Flächen können ebenfalls einen ähnlich hohen Artenreichtum hervorbringen, wenn die umgebende Landschaft komplexe Strukturen wie Feldränder aufweist. Die Förderung ökologischen Landbaus und der Einsatz von Randstreifenprogrammen und Landschaftspflege-maßnahmen wirkt sich in einfach strukturierten, ausgeräumten Landschaften an vielen Orten bereits positiv auf die Biodiversität aus. Die finanziellen Mittel ließen sich jedoch besser einsetzen. Bisher fördert die Politik vor allem konkrete Maßnahmen der Landwirte wie den Verzicht auf die Nutzung einer Fläche oder das Pflanzen einer Hecke.
Ob die Maßnahme wirklich die Biodiversität an diesem Ort erhöht, wird nicht oder kaum geprüft. Für die Landwirte rechnen sich die Maßnahmen häufig nur, wenn der Boden landwirtschaftlich sowieso keinen hohen Ertrag abwirft. Hier ist die Biodiversität aber meist schon relativ hoch. An anderen Standorten, etwa ertragreichen Bördelandschaften, verzichten die Landwirte häufig auf die finanzielle Förderung. In diesen Gebieten ließe sich mit den Steuergeldern aber besonders viel für die Artenvielfalt tun. Ergebnisse agrarökologischer Untersuchungen über den Zustand biologischer Vielfalt sind für die Planung wirksamer Maßnahmen deshalb eine wichtige Grundlage.
Im Normalfall ist es die öffentliche Hand, die ökologische Leistungen der Landwirtschaft nachfragt. Der Handel „Geld gegen ökologische Leistung“ findet über Naturschutz-kooperationsverträge oder Agrarumweltprogramme statt. Agrarumweltprogramme gelten jedoch als verwaltungsaufwendig. Ihre Abwicklung verursacht erhebliche Kosten. BIOPLEX hat deshalb für die Honorierung ökologischer Dienstleistungen der Landwirtschaft ein regional angepasstes Verfahren entwickelt, das hohen Anspüchen bei ökologischer Wirksamkeit, Effizienz der eingesetzten Finanzmittel, Verwaltungsaufwand sowie Akzeptanz und Transparenz genügt.
Im Mittelpunkt steht ein regionales Gremium, das sich aus Vertreterinnen und Vertretern aus der Verwaltung (Landwirtschaftskammer, Untere Naturschutzbehörde), Kommunalpolitik und Interessenverbänden (Naturschutzverbände, Grundeigentümer und Landvolkverband) zusammensetzt. Dieses regionale Gremium übt die Nachfrage nach dem „ökologischen Gut“ Biodiversität aus. Die biologische Vielfalt wird durch die Zahl von Pflanzenarten definiert, die im Acker oder Grünland nach der Durchführung der Maßnahme vorkommen müssen. In einem öffentlichen Auktionsverfahren können Landwirte ein Angebot für eine konkrete Maßnahme abgeben. Die günstigsten Anbieter erhalten den Zuschlag und den vereinbarten Preis, sofern die versprochene Artenvielfalt erreicht wird. Auf diese Weise werden ökologische Güter regional, ergebnisorientiert und marktbasiert honoriert.
Ein Ausschreibungsverfahren wurde bereits im Landkreis Northeim mit Erfolg durchgeführt.
In repräsentativen Umfragen unterstützten 77 Prozent der Bevölkerung die Ausgestaltung des Biodiversitätsmanagements durch ein regionales Expertengremium. Die gegenwärtige Umsetzung durch eine Landesbehörde oder -ministerium halten nur 1,5 Prozent für den richtigen Weg. Wie eine weitere Befragung ergab, sind auch die Landwirte bereit, sich an den Ausschreibungen zu beteiligen.
Doch nicht allen Agrarunternehmern fällt es leicht, ökologische Leistungen fundiert anzubieten, da das nötige Know-How zur Bestimmung der biologischen Vielfalt fehlt. Es ist also wichtig, über das Management biologischer Vielfalt zu beraten und zu informieren. Die Auswahl geeigneter Flächen und Bewirtschaftungsmaßnahmen ist entscheidend: Im Grünland wird eine hohe Pflanzendiversität vor allem durch geringe Beweidung auf Weiden und niedrige Stickstoffdüngung auf Mähwiesen gefördert. Auf Ackerflächen wirken insbesondere eine ökologische Bewirtschaftung, diverse Fruchtfolgen und der minimierte Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln positiv auf die Pflanzenvielfalt.
Anregungen des Projektes sind bereits in Agrarumweltmaßnahmen des Landes Niedersachsen eingeflossen. So wird ein Programmpaket artenreicher Grünlandbestände angeboten, welches das Ergebnis honoriert und nicht bestimmte Handlungen. Auktionsverfahren für ökologische Leistungen haben sich bislang jedoch noch nicht etabliert.
Zu den Projektseiten von BIOPLEX
Prof. Dr. Volkmar Wolters
Dr. Klaus Birkhofer
Justus-Liebig-Universität Giessen
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